Vor 30 Jahren wird eine überdachte, zweigeschossige Ladenstraße von ca. 180 m Länge und 25 m Breite nach einer Bauzeit von 2 Jahren und 10 Monaten fertiggestellt. Von da an gehört das mit Europas größtem Luftkissendach überspannte Einkaufscenter MARLER STERN, wie es nachher genannt wird, zu den markanten Bauwerken in der Stadt Marl und zu einem besonderen Bezugspunkt für die Entwicklung des Marler Stadtkerns.
Der MARLER STERN ist Bestandteil der zweiten großen Phase der Stadt- kernentwicklung. Da sich die Stadt nicht aus einem historischen inneren Kern, sondern durch das Zusammenwachsen von Bergbau und Chemie mitsamt Arbeits- und Wohnstätten entwickelt hat, plante Marl in den 50er Jahren, die fehlende Zentralität durch eine konzentrierte Ansiedlung öffentlich und privater Einrichtungen, etwa im Schnittpunkt der Verbindungslinien zwischen den historischen Ortsteilen, zu erreichen. Leitbild für das neue Stadtzentrum war dabei die Idee der "Grünen City".
In einer der ersten Entwicklungsphasen in den 60er Jahren entstanden u.a. das ehemalige Gebäude der Volkshochschule - heute Adolf-Grimme Institut, das Arbeitsamt, das Amtsgericht sowie das markante Rathaus weiterhin das Hallenbad sowie benachbarte Schulgebäude. Mit dem Beschluß des Rates, die öffentlichen Einrichtungen um gewerbliche Bereiche, d.h. Einzelhandel und Dienstleistungen, sowie Wohnungen zu ergänzen, wurde die zweite große Phase der Stadtentwicklung mit der Auslobung eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs im Jahre 1964 eingeleitet.
In einem ersten Bauabschnitt wurde dann bis 1974 der MARLER STERN, die vierspurige Bergstraße (verbunden mit dem Rückbau der alten Bergstraße, der heutigen Josefa-Lazuga-Allee), der Busbahnhof, die Bundesbahnhaltestelle Marl-Mitte sowie insbesondere vier Wohnhäuser mit über 800 Wohnungen errichtet. So entstand nach der damals vorherrschenden städtebaulichen Idee eine Hochhaussiedlung mit integriertem Shopping-Center.
Der zweite (1975) und dritte Bauabschnitt (1977) umfaßte dann die Ergänzung des gewerblichen Bereichs entlang des Busbahnhofs (u.a. Möbelhaus), den Bau des städtischen Parkhauses, den Neubau der Insel mit Bibliothek und Lesesaal sowie ein Gebäude für Büro- und Praxisräume, das sogenannte Riegelhaus. Das Einkaufscenter MARLER STERN hat dabei entscheidend dazu beigetragen, daß die Bürgerinnen und Bürger sich deutlich mehr in Marl versorgen konnten. Der Kaufkraftabfluß in die Nachbarstädte konnte gemindert werden, das zur Verfügung stehende Geld für den Konsum in der Stadt Marl gebunden werden.
Bereits Ende der 80er Jahre beginnt in der Eigentümergemeinschaft des MARLER STERN die Diskussion über eine Umgestaltung des Einkaufscenters. Diese Umgestaltung soll die Entwicklung zu mehr Qualität, soll "trading up" von innen heraus bewirken, ein maßvoller Zuwachs von Flächen für Einzelhandel und Dienstleistung soll die Voraussetzung für die Ansiedlung wichtiger noch fehlender Betriebe und Branchen schaffen. Die Umgestaltung des Einkaufscenters, um zeitgemäßen Ansprüchen an eine Ladenstraße aus Sicht der Betreiber und der Käufer und Passanten zu entsprechen, wurde mit einem Volumen von rd. 5,5 Mio. EUR im Dezember 1991 von der Eigentümergemeinschaft beschlossen.
Ein durchgehend positives Echo bei Betreibern, Passanten und Kunden findet die sogenannte Revitalisierung, als am 05. Mai 1994 nach einjähriger Umbauphase die Wiedereröffnung gefeiert wird. Auf rund 58.000 qm Ladenflächen stehen über 130 Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen mit Ihrem Angebot für Käufer und Kunden in der neugestalteten Ladenstraße, dem Riegelhaus und den Außenbereichen wieder zur Verfügung. Die positiven Impulse, die dieser Umbau bewirkt hat, lassen sich an den zahlreichen zusätzlichen Investitionen (über 10 Mio. EUR) ablesen, die die Eigentümer und Betreiber in und an ihren Geschäften zeitgleich zum Umbau und nach der Umgestaltung vorgenommen haben; sie lassen sich aber auch daran ablesen, dass neue Anbieter und Betreiber sich mit attraktivem Warenangebot im neuen MARLER STERN angesiedelt haben.
Zusätzlich entwickelt sich der MARLER STERN immer mehr zum Forum für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Marl. Diese haben erkannt, dass sich die Ladenstraßen viel mehr als nur zum reinen "shopping" eignen. Ob "Kinderspaß" oder "Weinmarkt", ob "Frühlingsmarkt" oder "Briefmarkenbörse", mittlerweile zieht es die Besucher zu Tausenden auch zum Antik-Markt, der sogar jeden Monat sonntags veranstaltet wird.
Trotz einer angespannten gesamtwirtschaftlichen Lage, wird im Mai 2002, nach nur 6monatiger Bauzeit, eine Fläche von insgesamt 7000 qm neustrukturiert und mit 20 neuen Einzelhandelsgeschäften eröffnet. Der daraus resultierende Kundenzuspruch fundiert das seit Jahren erfolgreich durchgeführte „trading up“ der Eigentümergemeinschaft des Einkaufscenters. Geschäfte wie „Hennes & Mauritz“ und der erste „C & A Kids store“ im Ruhrgebiet zeigen deutlich die regionale Bedeutung des MARLER STERN. Abrundung der Teilmaßnahme: Die Schaffung einer „Neuen Pforte“. Erstmals existiert ein deutlich erkennbarer Ein- und Ausgang zum großen ebenerdigen Parkplatz. (Investition: über 6 Mio. EUR)
Doch wie heißt es schön, „Stillstand ist Rückschritt“. Seit geraumer Zeit wird deshalb intensiv an einer maßvollen Erweiterung der Stadtmitte in Zusammenarbeit mit der Stadt Marl gearbeitet. Aktuell wurden im Jahr 2002 folgende Baumaßnahmen eingeleitet: Beginn mit dem Umbau des neuen zentralen Omnibusbahnhofes, Rückbau der Bergstraße von vier auf zwei Fahrspuren, neuer Kreisverkehr und neue Zufahrt zum städtischen Parkhaus (Riegelhaus).
Damit nicht genug, die Planungen zum Umbau bzw. Neugestaltung des Nachbargebäudes (ehemaliges Möbelhaus) laufen parallel und versprechen, dass nach der Umsetzung der MARLER STERN seine Bedeutung in der Region als eines der größten innerstädtischen Einkaufszentren von Nordrhein-Westfalen weiter ausbauen wird.